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Butter und Brot – für Studis in Not: Ein Zeichen der Solidarität in Zeiten von Corona
Beitrag aus der Newsroom Lehrredaktion (SS 20)

Butter und Brot – für Studis in Not: Ein Zeichen der Solidarität in Zeiten von Corona

Es war eine ganz besondere Nachricht, die Ende Mai die Studierenden der Fakultät Information und Kommunikation erreichte. Betreff: Butter und Brot – für Studis in Not. Hinter dem verheißungsvollen Titel verbarg sich ein außergewöhnliches Vorhaben, das die Hochschule der Medien so noch nicht gesehen hatte: Ein Hilfsfonds für Studierende der Fakultät, die durch die Corona-Krise in finanzielle Not geraten sind. Betroffene stellten lediglich einen Antrag und erhielten bei Bewilligung 500 €. Nicht als Darlehen, sondern geschenkt. Aus den privaten Mitteln von Professor*innen, Mitarbeitenden und externen Kooperationspartner*innen der Fakultät III.

Kleine Frage schlägt große Wellen

Die Idee zu dieser einzigartigen Aktion kam Prof. Dr. Udo Mildenberger, Dekan der Fakultät III, bei der Auswertung einer groß angelegten, fakultätsweiten Umfrage zur aktuellen Situation der Studierenden während des digitalen Semesters. Eher beiläufig wurde abgefragt, ob die Studierenden durch die Corona-Krise in finanzielle Not geraten sind, mit einem erschreckenden Ergebnis. Ganze 20 Prozent der Teilnehmenden beantworteten die Frage mit einem „ja“. Für Prof. Mildenberger ein alarmierendes Zeichen und Auslöser seines Bedürfnisses, so schnell wie möglich Hilfe zu leisten. Noch am selben Tag ging er bei einer virtuellen Kaffeerunde auf seine Kolleg*innen zu und erkundigte sich nach der Bereitschaft, für die Studierenden zu spenden. Nachdem ein kleiner Kreis sofort begeistert zustimmte, schlossen sich mit der Zeit immer mehr Professor*innen, Mitarbeitende und sogar Kooperationspartner*innen der Fakultät III an. So wurde der Hilfsfonds „Butter und Brot – für Studis in Not“ schnell, spontan und unkompliziert ins Leben gerufen.

Eine Gemeinschaft auf Zeit

Aber warum Geld aus privaten Mitteln? „Mir ging es in erster Linie darum, dass wir als Professor*innen und Mitglieder der Hochschule ein deutlich solidarisches Zeichen setzen“, erklärt Prof. Mildenberger. Für ihn verfolgt seine Fakultät ein höheres Ziel als die reine Lehre und Forschung: „Hochschule ist mehr als einfach nur Wissensvermittlung. Hochschule ist ein Lebenskonzept für einen bestimmten Zeitabschnitt.“ Dass dieses Konzept nicht nur gut gemeinte Theorie ist, sondern von allen Beteiligten aktiv gelebt wird, beweisen Initiativen wie die Spendenaktion eindrucksvoll. „Es zeigt wieder einmal, dass wir an der Fakultät III nicht nur irgendwelche Matrikelnummern sind, sondern einfach auch die persönliche Ebene da ist”, so ein Studierender, der durch den Hilfsfonds unterstützt wurde.

Eine schwere Entscheidung fair gelöst

Für die Studierenden wurde der bürokratische Aufwand so gering wie möglich gehalten. Antragstellende mussten neben der Angabe ihrer persönlichen Daten lediglich glaubhaft darlegen, warum sie sich durch die Corona-Krise in einer finanziellen Notlage befanden sowie eine Beschreibung ihres bisherigen Studienerfolgs und -engagements beifügen. Über die Verteilung der Gelder entschied eine Kommission bestehend aus vier Professor*innen, die sich von der ersten Stunde an für den Hilfsfonds engagierten. Die Mitglieder sichteten zunächst getrennt voneinander alle Anträge und erstellten separate Rangfolgen. Studierende, deren Notlage als besonders dramatisch eingeschätzt wurde, wurden dabei höher eingestuft. Anschließend verglichen die Beteiligten ihre individuellen Beurteilungen, besprachen Abweichungen und kamen so schließlich zum Ergebnis, welchen Betroffenen in ihrer prekären Situation geholfen werden kann.

Kein Job, kein Geld, kein Studium

Doch warum stellen die Auswirkungen von Corona eigentlich so viele Studierende vor derart schwerwiegende finanzielle Probleme? Ein OMM-Studierender schildert seine Lage: „Leider bekomme ich kein BAföG und verdiene mir mein Geld deshalb mit einem Nebenjob in der Gastronomie. Weil ich dort nicht Vollzeit arbeite, war ich zu Beginn der Pandemie einer der ersten, die nicht mehr kommen durften. Da stehst du plötzlich mit nichts da, ich hatte kein Einkommen mehr.” So wie ihm erging es vielen Studierenden, die sich mit Aushilfstätigkeiten in der Gastronomie, im Einzelhandel oder in Agenturen ihr Studium finanzieren. Doch für einige von ihnen stand mehr als der eigene Lebensunterhalt auf dem Spiel. Die Kommission des Hilfsfonds erhielt gleich mehrere Anträge, aus denen hervorging, dass viele Studierende mit ihrem hart verdienten Geld auch Familienmitgliedern unter die Arme greifen. „Da hängt nicht nur das Schicksal eines einzelnen Studierenden dran, sondern das Schicksal einer ganzen Familiengemeinschaft“, stellt Udo Mildenberger fest.

Aus eins mach zwei

Umso erfreulicher war es, dass durch den Hilfsfonds 9.500 € an 19 Studierende ausgezahlt werden konnten. Doch dabei sollte es nicht bleiben. Eine solch ungewöhnliche Aktion ging auch an der Öffentlichkeit nicht unbemerkt vorbei. Über einen Artikel auf der Website der HdM wurden die Medien auf das Projekt aufmerksam, das sich daraufhin in Presse, Radio und Internet verbreitete. Auch wenn er unerwartet kam, der Medienrummel verhalf der Aktion zu neuem Aufschwung: Viele Privatpersonen erfuhren auf diesem Weg von dem Hilfsfonds. Sie hatten zwar keinen direkten Bezug zur HdM, konnten sich aber gut in die Lage der Studierenden hineinversetzen und wollten deshalb selbst Geld spenden. So konnte “Butter und Brot – für Studis in Not” mit weiteren 8.000 € in eine zweite Runde starten – über die Hälfte davon aus externen Quellen.

Eine besondere Geste

Auch für die Studierenden ist diese Art von Hilfe nicht alltäglich, sie wissen die Großzügigkeit ihrer Professor*innen sehr zu schätzen. Selbst wenn 500 € nicht alle finanziellen Sorgen beheben können, die Summe ist für die Betroffenen trotzdem eine große Erleichterung. „Mit dem Geld kann ich jetzt ohne Probleme die Studiengebühren und das VVS-Ticket für das nächste Semester bezahlen”, so ein Studierender. Ihre Dankbarkeit brachten die Geförderten gegenüber den Initiatoren sogar unmittelbar zum Ausdruck – in Form von E-Mails. „Das waren nicht nur die üblichen lapidaren Dankes-E-Mails, sondern wirklich herzzerreißend nette und freundliche Zeilen von Studierenden, die sich in einer überschwänglichen und extrem persönlichen Art bedankt haben. Allein diese Mails sind es wert gewesen, die Aktion ins Leben gerufen zu haben“, schwärmt Prof. Mildenberger.

Der Wert abseits des Geldes

Inzwischen sind auch die letzten Fördergelder verteilt, der Fonds ist aufgebraucht. Die Bilanz: durchweg positiv. Knapp 20.000 € konnten an 36 Studierende verteilt werden. Da die Politik inzwischen nachgezogen und mit einer Überbrückungshilfe ebenfalls eine finanzielle Stütze auf den Weg gebracht hat, wird es vorerst keine dritte Runde mehr geben. Doch das Zeichen ist gesetzt: Ein Zeichen, dass die Fakultät III mehr ist als ein Verbund aus vier Studiengängen. Ein Zeichen, dass hinter der Fakultät individuelle Persönlichkeiten stehen, die zusammenhalten und füreinander da sind – insbesondere in schweren Zeiten wie diesen.