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Empathie durch Medien und Kommunikation fördern –  Eintauchen in die Welt von Kindern beruflich Reisender
Beitrag aus der Newsroom Lehrredaktion (SS 20)

Empathie durch Medien und Kommunikation fördern – Eintauchen in die Welt von Kindern beruflich Reisender

Aufgrund ihres häufigen Schulwechsels haben Kinder von beruflich Reisenden oft Probleme, Anschluss zu finden. Den anderen Kindern fällt es schwer, sich in ihre Lebenssituation hineinzuversetzen und sie in die Gemeinschaft zu integrieren. Um gegenseitiges Verständnis zu fördern, spielt Empathie eine wichtige Rolle. Frank Thissen und Simon Werther erkannten den Handlungsbedarf und initiierten ein Lehrprojekt, um zwischen den unterschiedlichen Lebenswelten zu vermitteln und Empathie zu fördern. Der Schlüssel hierbei war das Storytelling auf verschiedenen Medien.

Kinder von beruflich Reisenden

Beruflich Reisende wohnen nicht dauerhaft an einem Ort, sondern sind unterwegs zu Hause. Meist bleiben sie nur für zwei bis drei Wochen in einer Stadt. Deshalb wechseln Kinder von beruflich Reisenden auch bis zu 40-mal im Jahr die Schule und besuchen dort sogenannte Stützpunktschulen. Die Lehrenden an diesen Schulen sind oft unsicher, wie sie die Kinder integrieren und welche Anforderungen sie ihnen zumuten können. Die Mitschüler*innen wollen nur Freikarten ergattern oder ein paar Kunststücke sehen. Daneben gibt es auch spezielle Schulen für Kinder beruflich Reisender, beispielsweise die Wasenschule Stuttgart. Dort werden  die Kinder von Lehrer*innen betreut und lernen in einem vertrauten Umfeld zusammen mit anderen Kindern der Schaustellergruppe.

Eintauchen in eine andere Welt 

Als Frank Thissen 2019 die Wasenschule in Stuttgart besuchte, hörte er die Aussage eines kleinen Jungen: „Eigentlich bin ich uninteressant, wenn ich in ‘ne neue Schule komme. Die wollen von mir Freikarten haben, aber ansonsten bin ich da eher lästig“. Thissen war klar, dass hier ein Lösungsweg gesucht werden muss, um das Verständnis für diese Kinder zu fördern.

Zusammen mit Simon Werther stellte er ein Projekt auf die Beine mit dem Ziel, ein besseres Verständnis bei Lehrenden, Kindern und Eltern für Kinder beruflich Reisender zu schaffen.
Das Projekt erfolgte durch einige Studierenden der Fakultät. Unterstützt wurde es durch folgende Lehrkräfte:

  • Lehrer*innen der Circusschule Nordrhein-Westfalen, einer Schule aus Wohnwagen, die den Kindern und ihren Zirkussen hinterher reist, um sie zu unterrichten
  • Michael Widmann von der Wasenschule Stuttgart, der Lehrer einer Grundschule ist, aber zweimal im Jahr sechs Wochen lang zusammen mit ehemaligen Lehrer*innen, Freiwilligen und Rentner*innen die Wasenschule für die Kinder öffnet
  • Ulrich Siering vom Zirkus Krone, der die Kinder immer direkt vor Ort, egal wo der Zirkus sich befindet, unterrichten kann

Multimediales Storytelling als Schlüssel für ein Miteinander

Empathie bedeutet, Verständnis für die Gefühlswelt seines Gegenüber zu entwickeln. Lehrenden und Kindern, die immer an einem Ort leben, fällt es jedoch schwer, sich in die Reisekinder hineinzufühlen. Das Zauberwort hierfür ist die Empathie und Storytelling ist der Schlüssel dafür, diese zu fördern.
Menschen können sehr empathisch auf Geschichten reagieren, sich mit den Charakteren identifizieren, die Welt mit deren Augen sehen und ihre Gedanken und Gefühle nachempfinden. 

Die studentischen Projektgruppen entwickelten deshalb unterschiedliche Storys, die von der Lebenswelt beruflich reisender Kinder erzählen und setzten diese Storys kreativ für unterschiedliche Medienformate um.
Durch die Corona-Krise hatte sich der Fokus des Projektes  erweitert, so dass nun auch über die Bedrohung der Existenz von beruflich Reisenden aufgeklärt werden sollte. 

Manege frei für die Projektergebnisse

“Die Ergebnisse gehen in verschiedene Richtungen und zeigen eindrucksvoll die Facetten von Empathie im Kontext beruflich Reisender”, sagte Simon Werther. Folgende mediale Lösungen wurden von den Projektgruppen entwickelt:

Der Blog “ Walk in my shoes” gibt den Lesern einen Einblick in das Leben von Kindern beruflich Reisender und und stärkt dadurch die Empathie. Der Blog richtet sich speziell an die Lehrer*innen und Schüler*innen von Stützpunktschulen. “Die wichtigste Botschaft ist, dass sie nicht unnormal sind, sondern einfach eine andere Normalität haben”, sagt die Studentin Jessica Haass. Wenn Sie der Blog interessiert, schauen Sie einfach mal vorbei.

Unter dem indianischen Sprichwort “Gehe hundert Schritte in den Schuhen eines anderen, wenn du ihn verstehen willst.”entstand der Youtube-Kanal “Walk in my shoes”. Durch die Erklärvideos über den Zirkus und speziell Kinder beruflich Reisender können sich Außenstehende besser in ihre Lage versetzen. Da auch die Zirkusse stark von der Corona-Pandemie betroffen sind, wurden zudem situationsbedingte Erklärvideos erstellt. Wenn Sie die Videos interessieren, schauen Sie doch mal auf ihrem YouTube Kanal vorbei.

Das Kinderbuch “Dem Leuchten auf der Spur” soll den Kindern vermitteln, dass alle gleich sind, egal in welchen unterschiedlichen Lebenswelten sie aufgewachsen sind, sagt Ramona Stuber, eine der Projektteilnehmer. Hierbei soll Kindern die Gemeinsamkeiten aufgezeigt werden. Das Buch wird von den Kooperationspartner*innen in den Schulen verwendet und soll in einem Verlag gedruckt und an weitere Schulen verteilt werden.

Nach den großartigen Ergebnissen in diesem Semester, möchten Frank Thissen und Simon Werther das Projekt im Sommersemester 2021 möglichst nochmal aufgreifen und speziell mit den Kindern und Jugendlichen der Wasenschule zusammenarbeiten.