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Kindermedienforschung in der Praxis – Große Chancen, neue Herausforderungen und Erkenntnisse für Studierende
Beitrag aus der Newsroom Lehrredaktion (WS 19/20)

Kindermedienforschung in der Praxis – Große Chancen, neue Herausforderungen und Erkenntnisse für Studierende

Seit dem Sommersemester 2019 belebt Prof. Dr. Stang mit der Unterstützung von Prof. Dr. Mildenberger und dem Lehrbeauftragten Timo Strohmaier­­ im Rahmen eines transdisziplinäres Lehr- und Forschungsprojekts das „Institut für angewandte Kindermedienforschung (IfaK)“ der Hochschule der Medien Stuttgart wieder. Prof. Dr. Stang entschied sich nach einer längeren ehrenamtlichen Arbeit für das Institut dazu, dieses mit Studierenden im Rahmen einer Lehrveranstaltung neu aufzubauen. Für die Teilnehmenden liegt der Fokus darauf, das Projekt- und Organisationsmanagement eines Instituts kennenzulernen, Inhalte zu entwickeln und zu pflegen, Webauftritte zu gestalten und die Kommunikation mit den Projektpartnern zu führen. In welchem Rahmen dies geschieht, berichten Prof. Dr. Stang und die IW-Studentin und Seminarteilnehmerin Maria Khnefes dem Newsroom-Team in diesem Interview.

Kinder stehen stets im Fokus  

Das Institut für angewandte Kindermedienforschung ist Teil einer zentralen wissenschaftlichen Einrichtung der Hochschule der Medien Stuttgart. Die primäre Aufgabe des IfaK ist es, den Zielgruppen Informationen über das Mediennutzungsverhalten von Kindern und deren bevorzugten Mediengenres bereitzustellen. In erster Linie werden sowohl Eltern angesprochen als auch Erzieher*innen und Lehrende. Zudem richtet sich das Angebot an allgemein- und berufsbildende Schulen sowie Medienkompetenzprojekte und Institutionen. Auch Wissenschaftler*innen sollen mit den Informationen bedient werden. Das IfaK setzt sich mit allen Medien auseinander, die für Kinder im Alter von drei bis 13 Jahren produziert oder von diesen genutzt werden – seien es Brettspiele, Hörmedien, Videogames, Apps oder Social Media.

Umfassendes Leistungsvolumen

Das Institut erstellt regelmäßig Medientipps zu Hörmedien, Zeitschriften und sonstige Medien für Kinder. Monatlich nehmen die Studierenden jeweils ein neues Projekt in Angriff und stellen ein digitales Medium auf der Webseite des IfaK vor. Hierbei handelt es sich um die Formate „App des Monats“, „Game des Monats“ und ,,Tipp des Monats”. Im Rahmen dessen werden besondere Qualitätskriterien und handlungsorientierte Konzepte zur Medienpädagogik und Leseförderung herausgestellt. Das „Hörmedium des Monats“ wird in Kooperation mit der Stiftung Zuhören ausgewählt.

Die beteiligten Studierenden des Projektes suchen stetig nach neuen Studien über das Mediennutzungsverhalten von Kindern, um die Zielgruppe über den aktuellen Stand der Forschung zu informieren. Ebenfalls erstellen sie Linksammlungen als Wegweiser durch den Internetdschungel, um Kindern Tipps für das Surfen im Netz an die Hand zu geben. Auch Kindersuchmaschinen und Wikis werden zur Verfügung gestellt.

Interdiszplinäre Kompetenzen werden vereint

Die Institution bietet eine Fülle an Aufgaben, für welche die Studierenden der Fakultät Information und Kommunikation die besten Voraussetzungen mitbringen – von der Recherche und vom Marketing über das Projektmanagement bis hin zu IT-Administration. Jeder hat die Möglichkeit, seine studiengangspezifischen und persönlichen Kompetenzen einzubringen, um dieses Projekt zu bereichern. Durch die Einteilung der Teilnehmenden in Gruppen ist für alle Beteiligten spürbar, wie die einzelnen Zahnräder ineinandergreifen. „Trotz der einzelnen Verantwortungsbereiche und der Leitung durch eine Organisationsgruppe arbeiten alle Kursteilnehmer eng zusammen und sind in puncto Meinungen und Entscheidungen gleichberechtigt“, teilt uns Maria Khnefes mit.

Die Studierenden haben viel Handlungsspielraum, aber auch viel Verantwortung. Sowohl die Entwicklung von Konzepten als auch die Kommunikation mit den Kooperationspartnern übernehmen sie völlig selbstständig. Für Rat und Hilfestellungen stehen die Dozierenden jedoch stets zur Verfügung.

„Methodisch ist es im Endeffekt so, dass wir versuchen, den Studierenden so viel Freiheiten wie möglich zu lassen“, so Prof. Dr. Stang.

Positive Fehlerkultur

Vorrangiges Lernziel ist es, Projektmanagement, Flexibilität und Verantwortungsübernahme zu erlernen. „Die Hochschule soll immer ein Rahmen sein, wo man Fehler machen darf und Studierende sollen auch die Möglichkeit haben, Dinge mal in den Sand zu setzen, ohne dass das gleich zu einer negativen Bewertung führt“, erklärt Prof. Dr. Stang. Der Fokus wird dabei auf die Herangehensweise gelegt, damit das, was die Studierenden leisten, gerecht bewertet wird.

Kommunikationskompetenzen, aber auch Teamfähigkeit werden ebenfalls vermittelt. Die unterschiedlichen Aktivitätsgruppen kommunizieren innerhalb des Projekts miteinander und versuchen, alle Vorstellungen unter einen Hut zu bekommen. Sie finden Lösungen und Kompromisse, um das bestmöglichste Ergebnis für alle Parteien zu erzielen. Die Initiierung des Projektes im Rahmen „Transformativer Projekte“ der Fakultät Information und Kommunikation der Hochschule der Medien Stuttgart wurde durch Mittel der Förderlinie HUMUS (hochschuldidaktische und -methodisch unterstützte Selbstinitiierung von Lernprozessen an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften Baden-Württemberg) unterstützt.

Die zentrale Intention der Dozierenden ist es, unter möglichst realen Bedingungen eine fiktive Arbeitswelt zu schaffen. In den Worten von Prof. Dr. Stang: „Insgesamt geht es darum, eine Art Simulation zu schaffen, in welcher der Boden etwas weicher ist.“

Bereicherung für alle Beteiligten

Auch wenn sich die Organisation noch in der Anfangsphase befindet, sind die bisherigen Ergebnisse für Prof. Dr. Stang sehr zufriedenstellend. Besonders positiv nimmt er wahr, wie die Teilnehmer das IfaK aktiv nach außen tragen und vermarkten. So nutzt beispielsweise eine Gruppe von Studierenden die Gelegenheit, die Ergebnisse auf Konferenzen vorzustellen – für Teilnehmer und die betreuenden Dozenten ein Ereignis, das im normalen Studienprogramm nicht so verbreitet ist. Herr Prof. Dr. Stang zieht nach zwei Semestern ein rundum positives Fazit: „Es hat sich gelohnt, das IfaK aufzusetzen!“.

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Foto Copyright: HdM Stuttgart / Florian Müller