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Beitrag aus der Newsroom Lehrredaktion (WS 19/20)

Nachhaltigkeit in Wirtschaft, Gesellschaft und Hochschullehre – Prof. Dr. Sarah Spitzer im Gespräch

Nachhaltigkeit: Ein Thema, an dem wir gegenwärtig nicht vorbekommen – nicht zuletzt aufgrund der vielen jungen Menschen, die sich bei den Fridays for Future-Demonstrationen für den Planeten einsetzen. Auch der Wandel im Konsumverhalten lässt ein wachsendes Bewusstsein für Nachhaltigkeit erkennen. Deshalb gewinnt das Thema für Unternehmen an Bedeutung. Ist es daher nicht an der Zeit, dass nachhaltiges Denken auch in Forschung und Lehre Einzug findet, um Fachkräfte für die Anforderungen der Zukunft auszubilden?

Prof. Dr. Sarah Spitzer, Dozentin für Marketing im Studiengang Online-Medien-Management, befasst sich seit einiger Zeit mit dem Thema „nachhaltiger Konsum“ mit dem Fokus auf plastikfreiem Konsum und der Rolle und strategischen Position von Unverpackt-Läden. Auf dem Green Marketing Day Ende Oktober referierte sie gemeinsam mit Caner Ortanca, dem Inhaber des Tübinger Unverpackt-Ladens „Speicher umgedacht“ über „Zero Waste – Impact und Chance von Unverpackt-Läden in Deutschland“. Aus diesem Anlass steht sie dem Newsroom-Team der Fakultät Information und Kommunikation der Hochschule der Medien Rede und Antwort:

 

Wie kamen Sie zu der Auseinandersetzung mit Zero Waste? Wie lange beschäftigen Sie sich schon damit?

Mit dem Thema Zero Waste beschäftige ich mich tatsächlich erst seit etwa zwei Jahren. Zu nachhaltigem Marketing und nachhaltigem Konsum forschen wir (Prof. Dr. Sarah Spitzer zusammen mit Tamara Ebner, akademische Mitarbeiterin im Studiengang Online-Medien-Management, Anm. d. Red.) jedoch schon länger. Zum Beispiel haben wir zusammen mit Demeter das Thema Bio-Lebensmittel beleuchtet, und sind da auf den engen Zusammenhang von „bio, regional und nachhaltig“ gestoßen. Über diesen und die Frage, was nachhaltiges Handeln ausmacht, kamen wir dann über die immer größer werdende Zero-Waste-Bewegung zu dem aktuellen Fokus auf unverpackt und plastikfrei.

 

Wie sieht die Zukunft von Verpackungen im Einzelhandel aus?

Das ist ein sehr schwieriges Thema, wie auch auf dem Green Marketing Day deutlich wurde. Hier stehen sich der Trend zu Convenience der Verbraucher (Bequemlichkeit, Anm. d. Red.) und der Trend zu weniger Verpackung im Moment noch oft konträr gegenüber. Ich sehe, dass immer mehr Bemühungen stattfinden, Sachen auszupacken. Das fokussiert sich jedoch sehr stark auf standardisierte, unverarbeitete Produkte wie Obst und Gemüse. Bei Neuentwicklungen, verarbeiteten Produkten, Fertigprodukten und vor allem auch bei Körperpflege- und Hygieneprodukten fällt hingegen immer wieder auf, dass viele Dinge eher mehr als weniger verpackt werden.

 

Haben Unverpackt-Läden eine Zukunft, wenn unverpackte Produkte auch im Einzelhandel Einzug finden?

In meinen Augen, auf jeden Fall. Unverpackt-Läden stellen nicht die Bedürfnisse des Durchschnittskonsumenten in den Vordergrund, sondern sind sehr konsequent in ihrer Ausrichtung auf ein bestimmtes Wertekonstrukt. Es braucht sie sicherlich, um zu zeigen, was alles möglich ist und um Alternativen zu immer mehr Konsum und immer mehr Verpackungen entwickeln und umsetzen zu können. Gleichzeitig wird es aber genauso den klassischen Lebensmitteleinzelhandel brauchen, der von solchen Ideen lernt und verpackungsfreie Konzepte umsetzt, um einen größeren Anteil der Konsumenten zu erreichen.

 

Worin sehen Sie die Aufgaben des Marketings in Bezug auf das Thema?

Marketing sollte aus meiner Sicht die Bedürfnisse von Kunden in den Blick nehmen, um echten Nutzen für sie zu schaffen. Und sollte daher auch verstehen, was sie im Moment daran hindert, ihren Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit in die Tat umzusetzen. Wenn das gelingt, dann kann man dazu beitragen, dass Unverpackt-Konzepte auch in der Mitte der Gesellschaft ankommen.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich wünsche mir ganz dringend, dass die aktuelle Aufmerksamkeit und die Bemühungen nicht wieder verflachen. Dass die Ansätze, die tatsächlich realisiert werden, den Wert, klimaneutral und nachhaltig zu handeln, nicht aus den Augen verlieren. Und dass es nicht nur darum geht, Dinge einfach nur auszupacken oder anders einzupacken, sondern dass nachhaltiges Handeln langfristig in die Unternehmenswerte Einzug findet.

 

Haben Sie ganz konkrete Tipps, die jede*r im (Uni-)Alltag umsetzen kann?

Was ich selbst immer wieder feststelle: Es hilft häufig einfach eine kleine Tasche dabei zu haben, um auch bei Spontankäufen nicht auf Tüten angewiesen zu sein.